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Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung

Gedenkbuch Seiten 168 - 172

EINSTEIN, Ludwig,

Kapellenstraße 50

 

ROLF EMMERICH

Ludwig Einstein, geb. am 14. 10. 1881 in Laupheim, gest. im August 1945 in Jamaica, New York, USA, OO Sofie Einstein geb. Erlebacher, geb.am 22. 10. 1894 in Laupheim, gest. 1974 in New York.
Nannette Hadley (Nanny Einstein), geb. am 16. 6. 1921 in Laupheim, lebt in Johnsonville NY /USA,
Paul D. Eland (Paul Einstein), geb. am 12. 9. 1925 in Ulm, lebt nahe Princeton NJ/USA.

 

 Ludwig und Sofie Einstein mit ihren Kindern Paul und Nanny, ca.1935.

 

Nanny Einstein, jetzt Nannette Hadley, verbrachte ihre Kinderjahre in Laupheim, besuchte die jüdische Grundschule, dann die Realschule mit Lateinabteilung bis 1934. Von Mitschülern wurde sie als sehr begabt geschildert.

 „Mit der Familie war ich Mitglied der jüdischen Gemeinde. Samstagnachmittag hatten die Kinder ein Zusammensein im Gasthaus ,Ochsen’. Ich machte viele Spaziergänge in der Nähe der Felder, welche die Stadt umgaben.“
Jeden Nachmittag musste ich meinen Eltern ihren Kaffee in das Kaufhaus D. M. Einstein bringen. Ich ging immer sehr gerne in den ,Laden’. Auch holte ich jeden Tag unsere Milch vom Schlossgut.“
Von 1934 bis 1936 besuchte ich die Schulen in St. Gallen in der Schweiz. Ich wollte nicht mehr unter dem Nationalsozialismus in die Schule gehen. Ich lebte mit einer Schweizer Familie und ging in die lokale Schule.“

 

Im September 1936 wanderte die ganze Familie (Ludwig, Sofie, Nanny, Paul) in die USA aus. Noch im August 1928 war Ludwig Einstein in einer Ersatzwahl zu einem der Vorsteher der Laupheimer jüdischen Gemeinde gewählt worden. Doch nun sah sich die Familie zur Auswanderung gezwungen; Nannette Hadley dazu:

„Der Inhalt unseres Hauses wurde in ,Lift-Vans’ geladen. Für mich war es wie ein Abenteuer, über Bremen nach New York City zu reisen. Das Schiff war voll von Amerikanern, die von der Olympiade 1936 in Berlin zurückkehrten. Diese Olympiade werde ich nie vergessen, weil Gretel Bergmann (meine Freundin) davon ausgeschlossen war. Sie wollte als Hochspringerin im deutschen Team teilnehmen.“

 

Nanny und Paul Einstein, ca.1932.


Nanny Einstein mit den Eltern, ca.1935.

 

Nannette Hadley über das Leben und die Schwierigkeiten der Familie in den USA:

Wir haben uns alle langsam aber sicher an das Leben in New York City gewöhnt, besonders nachdem wir uns in der englischen Sprache zu Hause fühlten. Von Verfolgung frei zu sein, machte einen großen Unterschied. In der Stadt trafen wir auch viele andere Auswanderer, die unser Schicksal teilten. Wir Laupheimer haben uns damals einmal im Monat zu einem gemütlichen Nachmittag getroffen.“
„Mein Vater hatte durch die Emigration finanziell einen großen Verlust erfahren. Amerikanische Verwandte halfen ihm, ein kleines Geschäft zu eröffnen, das nicht sehr erfolgreich war, wegen der ,Great Depression (den Folgen der Weltwirtschaftskrise). Meine Mutter half der Familie aus mit einem ,Job’. Mein Vater starb an dem Tag, an dem der Zweite Weltkrieg endete.“
„Ich hatte eine gute und kostenfreie Erziehung, Oberschule und College (am Abend). Bei Tage arbeitete ich als Sekretärin. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete ich als Sekretärin in Washington DC. Nach meiner Heirat kauften wir eine ,Dairy Farm’. Ich lernte Kühe zu melken! Ich habe auch freiwillig in unserer Ortschaft in der Schulbibliothek gearbeitet.“

 

 

 

Nannette Hadley am 17. 8. 2002 im Laupheimer Museum mit (v. l.) den Söhnen Evan und Julian,

 Dr. A. R. Löwenbrück, Schwiegertochter Margret, Enkelin Eve Hadley und Rolf Emmerich.

 

„Meine zwei Söhne sind erfolgreich in ihren Berufen. In der Medizin-Forschung (Evan) und in der Ökologie, speziell über Klima-Erwärmung und Baumstudien (Julian). Im Sommer 2002 machten wir einen Besuch in Laupheim, meine zwei Söhne, meine Schwiegertochter und meine Enkelin; mein erster Besuch seit 1936. Es war ein schönes Willkommen. Besonders interessant war der Besuch auf dem jüdischen Friedhof, den ich als Kind oft besuchte, besonders nach dem Tod meiner Cousine Clärle Einstein.“

 

Der Schlosspark mit seinen Fischen war ihr in bester Erinnerung. Mit lebhaftem Interesse besuchte sie zusammen mit ihren Angehörigen das Museum zur Geschichte von Christen und Juden im Schloss Großlaupheim.

 

Paul Einstein, seit 1947 Paul Eland, lebt als pensionierter Electrical Engineer in New Jersey. Im Jahr 2011 erreichte uns folgender Text:

 

  

 

 Kapellenstraße: Einsteins reihenweise! Das Haus im Vordergrund, die Nummer 48,

gehörte „Minnele“ Einstein, die anschließende Nummer 50 war die Heimat der

Familie Ludwig Einstein.

 

 

 

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