voriges Kapitel

zurück zur Gesamtauswahl

nächstes Kapitel

Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung

Gedenkbuch Seiten 432 - 434 

RIESER, Amalie,

Steinerstraße 9

 

DR . ANTJE KÖHLERSCHMIDT

[Hirsch Rieser, geb. 25. 3. 1819 in Laupheim, gest. 28. 10. 1898 in Laupheim] [OO Emilie, geb. Steiner, geb. 7. 5. 1827, gest. 14. 9. 1905 in Laupheim]
[Heinrich Rieser, geb. 1849 in Laupheim, 1866 nach Amerika ausgewandert]
– [Simon Rieser, geb. Mai 1851 in Laupheim, gest. 23. 12. 1921 in Ludwigsburg]
– [Ida Rieser, verh. Haymann, geb. 3. 4. 1853 in Laupheim, gest. 25.11. 1923 in Laupheim] [OO Max Haymann, geb. 5. 2. 1850, gest. 30. 11. 1908 in Laupheim]
[Hermann Haymann, geb. 1879]
[Ludwig Haymann, geb. 1880]
[Berta Haymann, verh. Adler, geb. 28. 10. 1882 in Laupheim, gest. 24. 11. 1918 in Hamburg, OO Friedrich Adler, geb. 29. 4. 1878 in Laupheim, Deportation ins KZ Auschwitz, Ermordung]
   [Ludwig Rieser, geb. 1854]
   [Jeanette Rieser, geb. 30. 1. 1857 in Laupheim, gest. 10. 6. 1928 in Laupheim]
   Amalie Rieser, geb. 14. 11. 1863 in Laupheim, gest. 13. 2. 1940 in Laupheim 

 

Es fällt auf, dass Amalie Rieser nicht nur am Ende des Stammbaumes steht, sondern auch die einzige Vertreterin ihrer Familie war, diedie Zeit nach 1933 in Laupheim erlebte. Doch Aussagen zu ihr und ihrem Leben sind wegen der äußerst dürftigen Quellenlage kaum möglich.

Die Todesanzeige und Danksagung aus dem Laupheimer Verkündiger“ vom 11. und 20. Juni 1928 anlässlich des Ablebens ihrer Schwester Jeanette Rieser sind die einzigen Zeugnisse von Amalie Rieser, die bei den Recherchen zu finden waren.

Die Schwestern hatten bis dahin gemeinsam in ihrem Elternhaus in der Fabrikstraße 9 gewohnt. Wovon sie ihren Lebensunterhalt bestritten, war nicht zu ermitteln. Nach dem Tod ihrer Schwester wohnte Amalie Rieser dort bis zu ihrem eigenen Ableben am 13. Februar 1940. Gestorben ist Amalie jedoch im Bezirkskrankenhaus Laupheim, was darauf schließen lässt, dass sie schwer erkrankt gewesen sein musste, um noch 1940 als Jüdin im Krankenhaus aufgenommen worden zu sein. Jeanette und Amalie Rieser waren beide unverheiratet und hatten vermutlich zeit ihres Lebens eine enge Verbindung, die sich letztlich auch in ihrer letzten Ruhestätte widerspiegelt, denn beide wurden in der Grabstätte S 25/7 auf dem jüdischen Friedhof neben ihrer Schwester Ida, verheiratete Haymann, beerdigt.

 

Die beiden Grabsteine hatte der Laupheimer Jugendstilkünstler Friedrich Adler entworfen, der mit der Nichte von Amalie Rieser, nämlich Berta Haymann, der Tochter des Vorsängers und Lehrers an der jüdischen Volksschule in Laupheim, Max Haymann, und dessen Frau Ida, verheiratet war. Am 21. Mai 1907 hatte Friedrich Adler und Berta Haymann geheiratet. Beide verließen jedoch Laupheim, da der junge Ehemann in jenem Jahr den Ruf an die Kunstgewerbeschule in Hamburg erhalten hatte. Doch die Verbindung nach Laupheim riss nie ab. Jedes Jahr besuchten sie Eltern und Verwandte, aber dabei wurden auch berufliche Beziehungen von Friedrich Adler zum Möbeltischler Rechtsteiner, der zahlreiche seiner Entwürfe für Möbel umsetzte, gepflegt. Der Ehe von Berta und Friedrich Adler entsprossen fünf Kinder, drei Söhne und zwei Töchter. Zwei Tage nach der Geburt der jüngsten Tochter Berta (Rina Lior), am 24. November 1918, verstarb Berta Adler im Alter von erst 36 Jahren an der Spanischen Grippe.

 

 

 

  

Friedrich und Berta Adler.

(Ernst Schäll: Friedrich Adler, Leben und Wirken. Bad Buchau 2004)

Sie wurde, wie auf der Abbildung der Gräber zu sehen ist, in ihrer Heimatstadt Laupheim auf dem jüdischen Friedhof begraben. Ihr Mann Friedrich Adler gestaltete den Grabstein, der fünf Jahre später um den Namen seiner Schwiegermutter Ida Haymann nach deren Tod ergänzt wurde. Heute befinden sich zwei Metalltafeln zu Füßen des Grabsteines mit der Aufschrift Friedrich Adler 1878–1942 und Herman Adler 1908–1982. Bei letzterem handelt es sich um den ältesten Sohn von Friedrich und Berta Adler. Der Jugendstilkünstler konnte keine eigene Grabstätte erhalten, war er doch am 11. Juli 1942 von Hamburg aus ins KZ Auschwitz deportiert und dort nach seiner Ankunft in den Gaskammern ermordet worden. Sein Todesdatum ist unbekannt.

 

 

 

 

Quellen-, Literatur- und Bildverzeichnis:

Hüttenmeister, Nathanja: Der Jüdische Friedhof Laupheim.1998. Schäll, Ernst: Friedrich Adler Leben und Werk. Bad Buchau 2004.

Spurensuche: Friedrich Adler zwischen Jugendstil und Art Deco. Hrsg. u. Red.: Brigitte Leonhardt, Norbert

Götz und Dieter Zühlshoff. Stuttgart 1994. Stadtarchiv Laupheim FL 9811-9899 I a.

Adreß- und Geschäfts-Handbuch für die Oberamtsstadt und die Bezirksgemeinden Laupheim 1925. S.12.

 

voriges Kapitel

zurück zur Gesamtauswahl

nächstes Kapitel