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Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung

Gedenkbuch Seiten 570 - 572 

ZIEGLER, Karoline, geb. Gideon, 

Untersulmetingen

 

ROBERT E ß

Karoline Ziegler, geb. Gideon, geb. am 24. 1. 1883 in Rexingen bei Horb, gest. am 19. 10. 1979 in Laupheim, OO Benno Ziegler, geb. am 31. 1. 1876 in München, gest. am 16. 6. 1957 in Laupheim.
Alexander Ziegler, geb. am 4. 6. 1911 in Tübingen, am 24. 4. 1942 deportiert in ein Arbeitslager bei Lublin, am 8. 11. 1943 für tot erklärt. (Nachträglicher Beschluss von der Amtsgerichtszweigstelle Laupheim vom 4. 12. 1951.) 

 

Frau Karoline (Berta) Ziegler geb. Gideon heiratete am 2. Februar 1914 den Elektromonteur Benno Ziegler, wohnhaft in Untersulmetingen. Die Familie zog an die Murstraße 24 am Bach. Der heute in Untersulmetingen lebende, pensionierte Lehrer Hans Beth, geb. in Untersulmetingen, erinnert sich aus Gesprächen mit seinen Eltern: „Benno Ziegler kam als junger Mann etwa 1914 nach Untersulmetingen. Im Auftrag einer Augsburger Firma installierte er in Häusern und Ställen die neu aufgekommenen Elektrizitätsanschlüsse. Er lernte die aus Rexingen stammende Jüdin Karoline Gideon kennen, die bereits einen dreijährigen, unehelichen Sohn hatte, den Ziegler nach der Heirat am 2. Februar 1914 adoptierte.“

Die Hochzeit der beiden fand in Bernloch statt. Es ist die einzige bekannte Mischehe der jüdischen Gemeinde Laupheim. Während Benno Ziegler keiner Konfession angehörte, wurde Alexander im jüdischen Glauben erzogen und besuchte auch die israelitische Schule in Laupheim. Da er vor der Eheschließung seiner Mutter geboren wurde, galt er im NS-Staat als sogenannter Volljude.

Berta Ziegler war durch die Verheiratung mit dem konfessionslosen Benno Ziegler nach den Nürnberger Gesetzen vom September 1935 von der Deportation ausgenommen.

Am 3. Oktober 1942 schrieb der Landrat von Biberach an die Staatspolizeiaußenstelle Ulm: „Da die in Laupheim sowie in der Pflegeanstalt Heggbach, Gemeinde Maselheim, wohnhaft gewesenen Juden alle evakuiert worden sind, befinden sich im Landkreis Biberach außer den beiden in Untersulmetingen wohnenden Juden Israel Alexander Ziegler und Karoline Ziegler geb. Gideon keine weiteren Juden mehr.“ Offenbar wusste man im Landratsamt in Biberach nicht, dass Alexander Ziegler bereits am 24. April 1942 in ein Arbeitslager bei Lublin deportiert wurde. Kurz nach dem 2. Weltkrieg, am 19. Juli 1945, schrieb Benno Ziegler an die Militärkommandantur nach Biberach unter anderem:

 „Unter den Nürnberger Gesetzen hatten wir viele Drangsale zu erdulden. Unser Sohn, geb. 5. 6.1911, im jüdischen Glauben erzogen, arbeitete im Jahr 1932 bis 1938 in einer Fabrik bei Rheda in Westfalen. Bei dem Generalsturm auf die deutschen Synagogen am 9.–10. 11. 1938 verbrannte seine ganze Habe; anschließend kam er ins KZ-Lager Buchenwald. Nach 5 Monaten entlassen, kam er nach Hause, arbeitete in einem Kies- u. Schotterwerk und wurde nach einem Arbeitslager bei Lublin verbracht (24. 4. 42). Seit August 1942 fehlt von ihm jede Spur. Bereits in Stuttgart wurde er seiner Kleider und Wäsche durch Beauftragte der GeStaPo beraubt. ( . . . )

Da ich unserem Sohn bei seinem Abtransport aus meinem Kleider- und Wäschebestand noch verschiedene Sachen mitgab. Neuanschaffungen habe ich keine mehr gemacht, darum ist mein Bestand in Kleidung und Leibwäsche sehr bescheiden und bitte daher die zuständige Kommendatur um gültige Berücksichtigung und uns den Ausländern gleich zu stellen.“–

 Der Antrag auf Befreiung von der Kleiderabgabe wurde abgelehnt. Benno Ziegler galt in Untersulmetingen als Kommunist. Er schrieb ebenfalls an die Militärkommandantur nach Biberach: 

Am 26. 3. 1936 habe ich die am 29. 3. stattfindende sogenannte Reichstagswahl als eine Komödie erklärt und äußerte mich dahin, dass die Wiederbesetzung des Rheinlandes mit deutschen Truppen ein Vorspiel für kommende kriegerische Ereignisse sei, wofür ich zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil ich angeblich den Führer verleumdet hatte."

 

Benno Ziegler stirbt am 16. Juni 1957 im Laupheimer Krankenhaus und wird – da er konfessionslos war an der inneren Friedhofsmauer, links vom Eingang, in Untersulmetingen-Niederkirch begraben.

Frau Karoline (Berta) Ziegler, geb. Gideon zog am 6. Februar 1960 in das Altersheim „Zum Heiligen Geist nach Laupheim. Sie starb im Oktober 1979 im Alter von 96 Jahren und wurde als letzte jüdische Mitbürgerin auf dem Jüdischen

Friedhof begraben. Irrtümlich steht auf ihrem Grabstein (S 30/12) Berta statt ihres richtigen Vornamens Karoline und als Geburtsjahr wird 1912 anstatt 1883 angegeben. Die Beerdigungskosten wurden von der israelitischen Kulturvereinigung in Stuttgart übernommen, bei der auch die Krankenversicherung abgeschlossen war. Nach Nathania Hüttenmeister war es die letzte Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof in Laupheim.1)

 

 

 

 

 

 

Quellen:

1) Nathanja Hüttenmeister: Der Jüdische Friedhof Laupheim: S. 535.

 

 

 

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